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HowTo_ChapterNoNewPage

Wie verhindert werden kann, dass Kapitel eine neue Seite beginnen

\chapter, \chapter*, \addchap und \addchap* führen bei scrbook und scrreprt min. dazu, dass eine neue Seite begonnen wird. Die Überschrift steht also immer auf einer neuen Seite. Dieses Verhalten sollte auch nicht geändert werden. Durch die neue Seite wird die stark untergliedernde Bedeutung des Kapitels herauszustellen. Desweiteren wird so dem Leser auch das Auffinden von Kapiteln erleichtert. Es ist deshalb sinnvoll, dass Kapitel eine neue Seite beginnen. Durch die Größe der Überschrift und den Abstand zum Seitenanfang wird dies zusätzlich unterstützt.

Es gibt jedoch auch Dokumente, die gar keine Kapitel haben, die eine solche Herausstellung gerechtfertigen würde. Bei solchen Dokumenten sollte dann schlicht weder scrbook noch scrreprt, sondern beispielsweise scrartcl verwendet werden. Bei scrartcl ist die oberste Ebene unterhalb des Teils (\part) der Abschnitt (\section). Ein Abschnitt kann auch mitten auf einer Seite beginnen. Wer also nach Kapiteln ohne neuen Seitenanfang sucht, sucht in Wirklichkeit in der Regel nach der Klasse scrartcl und sollte schlicht auf Kapitel verzichten.

Mit Option titlepage bietet scrartcl übrigens auch eine echte Titelseite (bzw. mehrere), entsprechend der Voreinstellung von scrreprt und scrbook. Auch automatische Kolumnentitel sind mit scrartcl mit Hilfe von \pagestyle{headings} möglich. Lediglich Dinge wie \frontmatter, \mainmatter und \backmatter werden von scrartcl nicht geboten, ergeben aber auch nicht wirklich einen Sinn, wenn keine echten Kapitel verwendet werden sollen. Trotzdem können sie über andere Anweisungen wie \pagenumbering zusammen mit der Verwendung von \addsec simuliert werden. Somit gibt es kaum einen Grund nicht scrartcl zu verwenden, wenn keine echten Kapitel gewünscht sind.

Manchmal wird auch gewünscht, das Verhalten von \chapter innerhalb eines Dokuments ändern zu können. Davon kann nur abgeraten werden, da dies ein eklatanter Verstoß gegen eines der obersten typografischen Prinzipien wäre. Demnach sollte der Satz möglichst konsistent sein, wozu es absolut erforderlich ist, dass Gleiches immer gleich gesetzt wird. Sollen also zwei Abschnitte auf einer Seite stehen, so sollten sie auch als Abschnitte und nicht als Kapitel gesetzt werden. Natürlich ist es dann sinnvoll, eine gemeinsame Kapitelüberschrift für sie zu finden.

Ein solcher Fall wäre beispielsweise, wenn das Abbildungsverzeichnis und das Tabellenverzeichnis aufgrund ihrer Kürze auf einer Seite zusammengefasst werden sollen. Das ist bei KOMA-Script sehr einfach, indem man Option listof=leveldown verwendet und die beiden Verzeichnisse dann beispielsweise unter einer Überschrift \addchap{Tabellen und Abbildungen} zusammenfasst. Ein anderes Beispiel wäre, dass mehr als ein Index existiert. Auch hier gibt es wieder die Möglichkeit, mit index=leveldown die Gliederungsebene der Index-Überschriften anzupassen. Darüber hinaus beschreibt die Anleitung zum Paket splitindex dieses Problem und eine mögliche Lösung ausführlich. Dabei geht es jedoch nicht darum, Kapitel anders zu setzen, sondern – wie bereits erwähnt – eben kein implizites Kapitel, sondern einen Abschnitt zu setzen. Es wird also nicht das Verhalten des Kapitels geändert, sondern statt eines Kapitels ein echter Abschnitt erzeugt.

Wer dennoch darauf besteht, Kapitel mehr wie Abschnitte zu formatieren, der sollte sich \RedeclareSectionCommand in der KOMA-Script-Anleitung näher anschauen. Damit kann man auch den Stil der Kapitelüberschriften entsprechend ändern:

\documentclass{scrbook}

\usepackage{blindtext}

\RedeclareSectionCommand[style=section]{chapter}
\begin{document}
\tableofcontents

\chapter{First Chapter}
\blindtext

\blinddocument
\end{document}

Es sei in diesem Zusammenhang jedoch darauf hingewiesen, dass damit Option chapterprefix nicht mehr zu einer Präfixzeile, sondern nur noch zu einem Präfix inneralb der Überschriftenzeile führt.


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