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freiheitsdurstigen Volkes zur Verfugung stehen.
Der zweite Einwand, die gro.e Schwierigkeit der Umstellung der feindlichen Volker zu freundschaftlich
Verbundeten, kann wohl so beantwortet werden: Die in den ubrigen Landern durch die
Kriegspropaganda herangezuchtete allgemeine antideutsche Psychose bleibt zwangslaufig so lange
bestehen, als nicht durch die allen sichtbare Wiedererstehung eines deutschen Selbsterhaltungswillens
das Deutsche Reich wieder die Charaktermerkmale eines Staates erhalten hat, der auf dem allgemeinen
europaischen Schachbrett spielt und mit dem man spielen kann. Erst wenn in Regierung und Volk die
unbedingte Sicherung fur eine mogliche Bundnisfahigkeit gegeben erscheint, kann die eine oder andere
Macht aus gleichlaufenden Interessen heraus daran denken, durch propagandistische Einwirkungen die
offentliche Meinung umzubilden. Auch dies erfordert naturgema. Jahre andauernder geschickter Arbeit.
Gerade in der Notwendigkeit dieser langen Zeitdauer fur die Umstimmung eines Volkes liegt die
Vorsicht bei ihrer Vornahme begrundet, d. h. man wird nicht an eine solche Tatigkeit herantreten, wenn
man nicht die unbedingte Uberzeugung vom Werte einer solchen Arbeit und ihren Fruchten in der
Zukunft besitzt. Man wird nicht auf das
{717 Sichtbarer Wille zum Freiheitskampf}
leere Geflunker eines mehr oder weniger geistreichen Au.enministers hin die seelische Einstellung einer
Nation andern wollen, ohne die Garantie fur den realen Wert einer neuen greifbar zu besitzen. Es wurde
dies sonst zur vollkommenen Zersplitterung der offentlichen Meinung fuhren. Die zuverlassigste
Sicherheit fur die Moglichkeit einer spateren Verbindung mit einem Staate liegt aber eben nicht
begrundet in schwulstigen Redensarten einzelner Regierungsmitglieder, sondern vielmehr in der
ersichtlichen Stabilitat einer bestimmten, zweckma.ig erscheinenden Regierungstendenz sowie in einer
analog eingestellten offentlichen Meinung. Der Glaube hieran wird um so fester sein, je gro.er die
sichtbare Tatigkeit einer Regierungsgewalt auf dem Gebiet der propagandistischen Vorbereitung und
Unterstutzung ihrer Arbeit ist und je unzweideutiger umgekehrt der Wille der offentlichen Meinung sich
in der Regierungstendenz widerspiegelt.
Man wird also ein Volk in unserer Lage dann fur bundnisfahig halten, wenn Regierung und
offentliche Meinung gleichma.ig fanatisch den Willen zum Freiheitskampf verkunden und vertreten.
Dies ist die Voraussetzung einer dann erst in Angriff zu nehmenden Umstellung der offentlichen
Meinung anderer Staaten, die auf Grund ihrer Erkenntnis gewillt sind, zur Vertretung ihrer ureigensten
Interessen einen Weg an der Seite des ihnen hierfur passend erscheinenden Partners zu gehen, also ein
Bundnis abzuschlie.en.
Nun gehort dazu aber noch eines: Da die Umstellung einer bestimmten geistigen Verfassung eines
Volkes an sich schwere Arbeit erfordert und von vielen zunachst nicht ver
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entliche Arbeit der anderen fachmannisch zu
beschnuffeln hatte. Wie beleidigend und wie unnationalsozialistisch es aber ist, wenn Menschen, die
eine Sache nicht verstehen, den wirklichen Fachleuten ununterbrochen dreinreden, kam manchem dieser
Ausschu.ler wohl nicht zum Bewu.tsein. Ich habe es jedenfalls als meine Pflicht angesehen, in diesen
Jahren alle ordentlich arbeitenden und mit Verantwortung belasteten Krafte der Bewegung vor solchen
Elementen in Schutz zu nehmen, ihnen die notwendige Ruckendeckung und das freie Arbeitsfeld nach
vorne zu verschaffen.
vorne zu verschaffen.
Ich habe schon damals immer die Forderung gestellt, da. wie uberall im privaten Leben auch in der
Bewegung fur die einzelnen Betriebe so lange gesucht werden mu.te, bis der ersichtlich fahige und
ehrliche Beamte, Verwalter oder Leiter sich gefunden hatte. Diesem war dann aber unbedingte Autoritat
und Handlungsfreiheit nach unten zu geben bei Aufburdung restloser Verantwortlichkeit nach oben,
wobei niemand Autoritat Untergebenen gegenuber erhalt, der nicht selbst Besserkonner der betreffenden
Arbeit ist. Im Verlaufe von zwei Jahren habe ich mich mit meiner
{669 Aufbau der Bewegung}
Ansicht immer mehr durchgesetzt, und heute ist sie in der Bewegung, wenigstens soweit die oberste
Leitung in Frage kommt, bereits selbstverstandlich.
Der sichtbare Erfolg dieser Haltung aber zeigte sich am 9. November 1923: Als ich vier Jahre vorher zur
Bewegung kam, war nicht einmal ein Stempel vorhanden. Am 9. November 1923 fand die Auflosung
der Partei, die Beschlagnahme ihres Vermogens statt. Dieses bezifferte sich einschlie.lich aller
Wertobjekte und der Zeitung bereits auf uber hundertsiebzigtausend Goldmark.
{670}
12. Kapitel:
Die Gewerkschaftsfrage
Das schnelle Wachstum der Bewegung zwang uns, im Jahre 1922 zu einer Frage Stellung zu nehmen,
die auch heute nicht restlos gelost ist.
Bei unseren Versuchen, diejenigen Methoden zu studieren, die am ehesten und leichtesten der
Bewegung den Weg zum Herzen der breiten Masse bahnen konnten, stie.en wir immer auf den
Einwand, da. der Arbeiter uns nie vollstandig gehoren konne, solange seine Interessenvertretung auf
rein beruflichem und wirtschaftlichem Gebiet in den Handen Andersgesinnter und deren politischen
Organisationen ruhe.
Dieser Einwand hatte naturlich viel fur sich. Der Arbeiter, der in einem Betrieb tatig war, konnte der
allgemeinen Uberzeugung nach gar nicht existieren, wenn er nicht Mitglied einer Gewerkschaft wurde.
Nicht nur, da. seine beruflichen Belange dadurch allein geschutzt erschienen, war auch seine Stellung
im Betriebe auf die Dauer lediglich als Gewerkschaftsangehoriger denkbar. Die Majoritat der Arbeiter
befand sich in gewerkschaftlichen Verbanden. Diese hatten im allgemeinen die Lohnkampfe
durchgefochten und die tariflichen Vertrage abgeschlossen, die dem Arbeiter nun ein bestimmtes
Einkommen sicherstellten. Ohne Zweifel kamen
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